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Die Banken haben den Vorwurf zurückgewiesen, mit einer zögerlichen Kreditvergabe die Rezession zu verschärfen. Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, sprach von einer abstrusen Debatte. "Wir geizen nicht und zögern nicht mit den Krediten", sagte er. Im ersten Quartal 2009 habe die Zuwachsrate bei der Kreditvergabe 6,9 Prozent betragen. Weber bestätigte aber, dass die Banken inzwischen mehr Sicherheiten verlangen und das Geld nicht mehr so billig verleihen wie früher. Dies sei eine Lehre aus der Finanzmarktkrise.
Auch der Präsident der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, setzte sich gegen die von der Bundesregierung erhobenen Vorwürfe zur Wehr. "Die Kreditvergabe geht aktuell nicht zurück, sondern nimmt trotz Rezession zu", sagte er der "Bild"-Zeitung. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis, sprach ebenfalls von einer wachsenden Zahl neuer Kredite seit Jahresbeginn.
[Bildunterschrift: BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber sieht die genaue Prüfung von Kreditanträgen als Lehre aus der Finanzkrise. ]
Die Summe aller laufenden Bankkredite von Unternehmen und Verbrauchern in Deutschland übertraf seit Beginn der Finanzkrise Monat für Monat das Vorjahresniveau. Im Mai waren es laut Bundesbank insgesamt rund 2721 Milliarden Euro. Die jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) belegen, dass die Kreditvergabe an Firmen und Privatleute zuletzt um 1,8 Prozent gestiegen ist. Das ist allerdings der geringste Zuwachs seit Beginn der europäischen Währungsunion.
Die Volks- und Raiffeisenbanken argumentierten, dass die Summe aller laufenden Kredite im Mai auf 375,9 Milliarden Euro gestiegen sei und damit 2,7 Prozent höher liege als ein Jahr zuvor. Die Sparkassen erhöhten ihre neuen Kredite an Unternehmen zwischen Januar und April laut eigenen Angaben auf 23,5 Milliarden Euro und damit um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Dennoch räumte der Bundesverband deutscher Banken ein, dass es in manchen Bereichen wie bei Automobilzulieferern schwieriger geworden sei, von den Banken Geld zu kommen. Dies gelte besonders für Großkredite. Es gebe aber "keine allgemeine Kreditklemme". Ab Herbst drohten jedoch verschärfte Kreditrisiken.
Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht derzeit noch keine generelle Kreditklemme. "Aber in exportstarken Industriebranchen greifen die Finanzierungsengpässe immer weiter um sich", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück warnte vor einer Verschärfung der Kreditknappheit. Im zweiten Halbjahr könnte das Problem zunehmen, sagte er in Brüssel. "Darauf muss man vorbereitet sein."
Am Wochenende hatten Steinbrück und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Banken vorgeworfen, eine Erholung der Konjunktur durch eine zu zögerliche Kreditvergabe zu gefährden. Steinbrück hatte den Banken dabei indirekt mit Zwangsmaßnahmen gedroht.
Bei Branchenvertretern stieß er damit auf scharfe Kritik. "Zwang halte ich für eine abenteuerliche Maßnahme", betonte Verbanspräsident Weber. Man könne auch niemanden zwingen, Aktien von einem Unternehmen zu kaufen, dem es im Moment besonders schlecht gehe.
Dass sich die Institute derzeit zurückhielten, "ist eine ganz natürliche Reaktion darauf, dass das Eigenkapital fehlt", sagte Regierungsberater Clemens Fuest. Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesfinanzministerium warf der Bundesregierung vor, die drohende Kreditklemme mitverursacht zu haben. Um eine solche Situation zu verhindern, hätte die Regierung die Banken zwingen müssen, mehr Eigenkapital aufzunehmen, sagte Fuest. In Großbritannien und den USA sei dies geschehen, nicht aber in Deutschland. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg kündigte in diesem Zusammenhang an, dass sich die Bundesregierung für eine Lockerung der internationalen Eigenkapitalregeln einsetzen wolle.
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