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06.07.2008
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Wirtschaft Neuer Transnet-Vorsitzender gewählt

Krauß ist "stinksauer" auf Hansen

Transnet-Chef Lothar Krauß (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Lothar Krauß ist der neue Chef der Bahngewerkschaft Transnet. ]
Der neue Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet heißt erwartungsgemäß Lothar Krauß. Der Transnet-Beirat, das höchste Gremium zwischen den Gewerkschaftstagen, wählte den 52-Jährigen mit 71 von 75 Stimmen, wie nach der Sitzung mitgeteilt wurde. Krauß war bislang stellvertretender Vorsitzender und hatte keinen Gegenkandidaten.

Scharfe Kritik an Vorgänger

Krauß ist Nachfolger des vor einer Woche zurückgetretenen Norbert Hansen, der als Arbeitsdirektor in den Vorstand der Deutschen Bahn wechseln wird. Dieser hatte unmittelbar vor der Wahl mit Äußerungen über einen weiteren Stellenabbau im Konzern und Forderungen nach flexiblerer und effizienterer Arbeit Unmut ausgelöst.

Der neue Gewerkschaftschef kritisierte seinen Vorgänger dafür scharf: "Ich war heute morgen stinksauer und es hat eine Zeit lang gedauert, bis mein Kreislauf wieder normale Werte hatte. Wir glauben, das war kein genialer Auftritt für das neue Amt." Hansens Kommunikationsstil sei zudem keine geeignete Basis, um Tarifverhandlungen zu führen. Dass Hansen gefordert habe, Lokführer sollten neben ihrer Tätigkeit auch in den Zugabteilen aufräumen, sei "eine ziemliche Schnapsidee".

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Mehdorn widerspricht Hansen

Bahnchef Hartmut Mehdorn (l) und Norbert Hansen (r) (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Bahnchef Mehdorn widerspricht seinem neuen Arbeitsdirektor Hansen. ]
Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte die in der "Bild"-Zeitung geäußerten Forderungen Hansens nach Stellenabbau umgehend als "an den Haaren herbeigezogen" dementiert. Es gebe weder entsprechende Pläne und schon gar nicht derartige Beschlüsse, erklärte Mehdorn. Sowohl Hansen als auch Mehdorn verwiesen darauf, dass die Bahn am Mittwoch einen Tarifvertrag mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA unterzeichnet hätte, der betriebsbedingte Kündigungen für die kommenden 15 Jahre ausschließt. Ob prinzipiell ein weiterer Personalabbau, zum Beispiel durch Nichtbesetzung von Stellen, möglich sei, wollte ein Konzernsprecher gegenüber tagesschau.de nicht kommentieren.

Bundesregierung: Beschäftigungssicherung bleibt

Die Bundesregierung erinnerte die Bahn an die vereinbarte Beschäftigungssicherung bis 2023. Dies sei für die Politik "ein zentraler Punkt, der nicht zur Disposition gestellt wird", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Er verlangte, widersprüchliche Aussagen im Vorstand selbst zu klären. Die Bundesregierung wies Fragen nach möglichen Tricks der Bahn-Führung zurück, möglicherweise die Beschäftigungssicherung durch Unternehmensausgründungen auszuhebeln. Die Beschäftigungsbedingung für den politischen Teilprivatisierungs-Beschluss sei öffentlich hinreichend durch die Beratungen in der Koalition und Bundesregierung klargemacht worden, sagte Steg. "Insofern gibt es für die Bundesregierung keinen Zweifel daran, dass dieses Konzept auch entsprechend umgesetzt wird."

GDBA-Chef lehnt höhere Arbeitsbelastung ab

Der Vorsitzende der zweiten großen Bahngewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, kündigte Widerstand an, sollten tatsächlich weitere Rationalisierungen geplant sein. "Dann droht Krach, aber richtig", sagte Hommel. "Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter ist zwischenzeitlich so hoch, dass es für solche Überlegungen keinerlei Spielräume gibt."

GDL-Chef kritisiert Ex-Kollegen

Claus Weselsky - neuer GDL-Chef (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: GDL-Chef Weselsky kritisiert seinen Ex-Kollegen scharf. ]
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kritisierte Hansens Ankündigungen. "Norbert Hansen hat seine Rolle als neuer Arbeitsdirektor im Vorstand der Deutschen Bahn ja offensichtlich schon bestens verinnerlicht", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Damit setze Hansen die bisherige Politik des Bahn-Vorstands nahtlos fort. Die Äußerungen Hansens zeigten auch, dass die Beschäftigten der Deutschen Bahn die Leidtragenden einer Teilprivatisierung sein werden. Auch aus diesem Grund lehne die GDL den Einfluss privater Investoren auf das Unternehmen ab.

Stand: 17.05.2008 00:02 Uhr
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