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20.05.2012

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Schlusslicht vom 25.01.2012
Schlusslicht: Glück im Land des Donnerdrachens
Schlusslicht

Glück im Land des Donnerdrachens

Das Märchen des Zwergstaates Bhutan könnte so schön sein: Das Glück wurde zum Staatsziel erhoben. Meditation und Gesang steigern das Wohlbefinden, das kleine Reich ist so sicher, dass die Menschen sorglos draußen schlafen können. Ungemach ist von Staats wegen ausgesperrt.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Es war einmal ein König, der regierte in einem fernen Land hinter den Bergen. Und die Menschen dort waren glücklich. So könnte es beginnen: Das Märchen, das die Geschichte des Zwergstaats Bhutan erzählt.

"Ja, ich bin glücklich. Wir Bhutaner haben nicht mit irgendeiner Art von Krieg, von Verbrechen zu leben, so wie wir das aus dem Fernsehen kennen aus anderen Ländern. Bei uns können wir sogar draußen übernachten", erzählt ein Mann. Im buddhistischen Land des Donnerdrachens gehen die Uhren anders, langsamer: Erst im Jahr 1999 kamen das Fernsehen und das Internet, 2003 das erste Handy. 2008 die Demokratie.

Audio: Bhutan - Bruttonationalglück statt BSP

AudioKai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi 25.01.2012 09:04 | 3'28
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Hängebrücke zwischen Tradition und Moderne

Vorsichtig öffnet sich Bhutan, schaut allerdings auf dem Weg über die wacklige Hängebrücke - gespannt zwischen Tradition und Moderne - oft ängstlich nach vorn und sehnsüchtig zurück. Es hält sich dabei gern an seinem König fest. Und an sich selbst.

Denn die Welt da draußen macht ja Fehler. "Das geht damit los, dass wir alle versuchen zu wachsen, wo wir doch limitierte natürliche Reserven haben. Natürlich steuern wir auf eine Umweltkatastrophe zu", sagt Karma Tshiteem von der sogenannten Kommission für Bruttonationalglück - und fügt hinzu: "Aber nicht nur das. Die ganze Finanzkrise zeigt doch, dass wir uns zu sehr auf den Markt verlassen haben. Da gibt es Chefs bei Banken, die Milliarden verdienen und wir kennen noch nicht einmal deren Namen."

Vier Säulen tragen das Glück in Bhutan

Bruttonationalglück:

Im Königreich Bhutan im Himalaya ist schon seit mehr als drei Jahrzehnten nicht das BIP, sondern das Bruttonationalglück (BNG) (Gross National Happiness) Zielgröße der Politik. Eine Kommission wacht darüber. Das BNG lässt sich allerdings kaum objektiv messen.
 

Das Bruttonationalglück als Zielgröße der Politik - dafür wird Bhutan von einigen bewundert und von fast allen bestaunt. Die Glückseligkeit seiner Bewohner ist als Staatsziel festgeschrieben. "Die vier Säulen sind: Erstens gerechte und nachhaltige sozioökonomische Entwicklung. Die zweite Säule ist der Erhalt der Umwelt: In der Verfassung haben wir uns dazu verpflichtet, dass mindestens 60 Prozent des Landes von Wald bedeckt sein müssen", erklärt Tshiteem. Hinzu kommen noch die Säulen: Erhalt der Kultur und kluges Regieren.

Nation von Glückspilzen?

Aber machen diese vier Säulen Bhutan wirklich zu einer Nation von Glückspilzen? Auch wenn es Touristen zunächst wie ein im positiven Sinne verwunschenes Reich vorkommen mag - Bhutan ist kein Märchenland, in dem die Menschen Hütten aus Lebkuchen bewohnen und sich Pfeifchen mit Geldscheinen anzünden. Im Grunde sind sie bettelarm - materiell gesehen. Also muss Bhutan Glück anders definieren. "Es heißt nicht: Vergnügung, Aufregung, Nervenkitzel. Es geht um eine tiefe Form von Zufriedenheit", sagt Kinley Dorji vom Informationsministerium. "Wir wissen, dass diese Zufriedenheit in Dir liegt. Es gibt keine externe Quelle: das schnellere Auto, das größere Haus, die schönere Kleidung. Das ist alles vergänglich."

Meditation und Gesang

Um das mentale Wohlbefinden zu fördern, meditieren Schülerinnen und Schüler heute staatlich verordnet mindestens ein Mal täglich. Und bei Bhutan Star, der Himalaya-Version von Deutschland sucht den Superstar, müssen die jungen Gesangstalente auch traditionelle Volkslieder intonieren.

Wie gerne würde Bhutan Vergangenes und Zukünftiges harmonisch verschmelzen und eine Art Garten Eden der Neuzeit erschaffen. Doch das ist schwierig: In der Hauptstadt Thimphu sind Drogen und Alkohol durchaus ein Problem. Was nicht daran liegt, dass diese Menschen zu wenig bhutanische Kultur inhalieren, sondern gerade viele Jugendliche schlicht arbeitslos sind. Dennoch: Einer jüngsten Umfrage zufolge bezeichnen über 55 Prozent der Bewohner ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut. Ob das zunimmt, je mehr die Welt mit ihren Glücksversprechen in das kleine Land eindringt, ist eine noch offene Frage.

Stand: 25.01.2012 11:34 Uhr

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