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20.05.2012

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Kultur
Polnische Nobelpreisträgerin Szymborska gestorben
Nobelpreisträgerin Szymborska tot

"Ein großes Licht der polnischen Poesie"

Die polnische Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska ist tot. Wie ihr Assistent Michal Rusinek mitteilte, starb die 88-jährige Dichterin gestern Abend in ihrem Haus in Krakau. Die im Jahr 1923 in Bnin in der Region Posen geborene Lyrikerin studierte an der Fakultät für Literatur und Soziologie der Jagiellonen-Universität in Krakau. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod.

Wislawa Szymborska  (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska im Jahr 1996. ]
Szymborska, die im Jahr 1996 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, gilt als Schöpferin einer eigenen poetischen Sprache. Das Nobelpreiskomitee teilte damals in einer Pressemitteilung mit, die Lyrikerin habe die Eleganz der Sprache mit der "Furie eines Beethovens" verbunden. Zudem hieß es: "Das abschließende Antibild in der letzten Strophe [des Gedichts Niemals zwei Mal] beleuchtet blitzartig Szymborskas Kunst:

Lächelnd, zur Hälfte einander umarmend,
versuchen wir, die Harmonie ausfindig zu machen
obwohl wir einander so unähnlich sind
wie zwei Tropfen klaren Wassers."

Szymborska veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände und war auch als Übersetzerin von Poesie, unter anderem aus dem Französischen, tätig. Von der Politik hielt sie sich fern, war aber als unabhängiger Geist bekannt. Anfang der 90er-Jahre wurde die auch ins Deutsche übersetzte Szymborska mit dem Goethe-Preis und dem Herder-Preis ausgezeichnet.

"Tiefe Reflexionen der menschlichen Existenz"

"Sie starb friedlich im Schlaf", sagte ihr Mitarbeiter. Bis zuletzt habe sie, wann immer es ihr Gesundheitszustand erlaubte, an neuen Gedichten gearbeitet. Als einer der ersten reagierte der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski. "Ein unersetzlicher Verlust für die polnische Kultur", twitterte er. "Ein großes Licht der polnischen Poesie ist erloschen", zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP den Schriftsteller und Literaturkritiker Stefan Chwin. "Wenn eine so ausgezeichnete Lyrik verschwindet, ändert sich auch die ganze Literatur." Szymborska habe in ihrem Werk "das alltägliche Leben mit der tiefen Reflexion der menschlichen Existenz verbunden".

Der polnische Kulturminister Bogdan Zdrojewski hob Szymborskas Bescheidenheit und ihr Drängen auf Privatsphäre hervor. "Sie hatte Tiefe und war authentisch, weigerte sich, eine Prominente zu sein." Es passe zu der auf Zurückhaltung bedachten Dichterin, dass sie ihr Leben in zwei Abschnitte geteilt habe: "vor der Nobel-Tragödie und nach der Nobel-Tragödie".

Audio: Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska gestorben

AudioDaniel Kaiser, NDR 02.02.2012 08:58 | 2'57
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Stand: 02.02.2012 12:00 Uhr

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