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In anderen Ländern sind Auszeichnungen für Soldaten, die im Einsatz besondere Tapferkeit bewiesen haben, selbstverständlich. Nun wird diese Ehrung auch deutschen Soldaten wieder zuteil - erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister Jung verliehen in Berlin die ersten Tapferkeitsmedaillen an vier Soldaten, die in Afghanistan eingesetzt waren.
Von Andreas Flocken, NDR
Tapferkeit zählt zu den soldatischen Tugenden. Dazu verpflichten sich die Rekruten der Bundeswehr bereits zu Beginn ihrer Dienstzeit - nämlich dann wenn sie feierlich geloben, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.
Der Einsatz in Afghanistan zeigt, dass die Soldaten ihr Leben riskieren. 35 Tote hat die Bundeswehr bisher zu beklagen. Für den Verteidigungsminister handelt es sich weiterhin um eine Stabilisierungs-Mission. Diese Einschätzung wird allerdings von vielen Betroffenen nicht geteilt. Ein deutscher ISAF-Soldat stellte bereits vor einem Jahr fest: "Für mich ist das Krieg. Wenn ich rausfahre und beschossen werde, Autos sehe, die auf Minen gefahren sind, dann ist das für mich schon ein kriegerischer Akt."
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Das Wort "Krieg" mag der Verteidigungsminister allerdings nicht hören - sehr zum Ärger vieler Soldaten. Dafür spricht Franz Josef Jung inzwischen von Gefallenen und Verwundeten. Und jetzt gibt es auch eine Auszeichnung für besondere Tapferkeit - erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Die offizielle Bezeichnung: Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit. Ein schlankes Metallkreuz, auf dem Ordensband ist ein goldfarbenes Eichenlaub angebracht.
[Bildunterschrift: Hat sich für die Auszeichnung stark gemacht: Verteidigungsminister Franz Josef Jung ]
Verliehen wird diese Auszeichnung heute im Kanzleramt durch Angela Merkel. Wer diesen Orden bekommt ist offiziell noch nicht bekannt. Es heißt aber, es würden mehrere Soldaten ausgezeichnet, die in Afghanistan im Einsatz waren. Nach einem Selbstmord-Anschlag in Kundus im vergangenen Jahr, bei dem fünf afghanische Kinder und zwei Bundeswehr-Soldaten getötet wurden, hätten sie sich mutig und unter Lebensgefahr um ihre Kameraden gekümmert.
Andere NATO-Armeen zeichnen ihre Soldaten schon seit langem für Tapferkeit aus, jetzt also auch die Bundeswehr - für viele ein überfälliger Schritt. Ulrich Kirsch vom Bundeswehrverband meint: "Aus meiner Sicht kommt das zum richtigen Zeitpunkt, und zwar jetzt, wo wir gerade auch besondere Lagen in Afghanistan haben und wo natürlich Soldatinnen und Soldaten ohne Furcht vor eigener Gefahr besonders tapfer sein müssen."
[Bildunterschrift: Seit 2001 sind deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz (Archivfoto vom 05.10.2008). ]
Allerdings fühlen sich viele Soldaten gerade in Afghanistan im Stich gelassen - von der Politik, aber auch von Gesellschaft. Immer wieder gern zitiert wird in Bundeswehrkreisen der Bundespräsident, der einmal ein "freundliches Desinteresse" der Gesellschaft an den Streitkräften festgestellt hatte. Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe beklagt ebenfalls diesen Zustand: "Was die Soldaten belastet, ist, dass mit Blick auf das, was sie tun, wenig an Anteilnahme, an menschlicher Zuwendung hier in Deutschland zu erkennen ist."
Viele Soldaten sind daher frustiert. Ist die Stiftung einer Tapferkeitsmedaille möglicherweise eine Art Ersatz für die fehlende Anerkennung? "Nein", sagt Kirsch: "Mit dieser Ehrung zeigt ja die Bundeskanzlerin, dass sie das Engagement besonders einzelner Bundeswehrsoldaten würdigt und besonders ernst nimmt. Aber die Anerkennung der Streitkräfte in der Öffentlichkeit, auch was unsere gefährlichen Einsätze in der Öffentlichkeit angeht, die muss auf andere Art und Weise erreicht werden."
Vergeben wird die Tapferkeitsauszeichnung heute an Soldaten. Verliehen werden kann sie aber auch an Zivilisten. Allerdings nur in Ausnahmefällen. So heißt es jedenfalls in Artikel 5 des Stiftungserlasses der Bundeswehr.
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