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Von Christoph Grabenheinrich, SR, ARD-Hauptstadtstudio
Zugegeben: das erste Bauchgefühl fällt nicht gerade euphorisch aus, ein schaler Beigeschmack macht sich breit. Ehre, Tapferkeit und Mut sind Begriffe, die von den Nazis aufs Schändlichste missbraucht und für lange Zeit auch entwertet worden sind. Die Bedenken der Kritiker, das neue Ehrenkreuz der Bundeswehr laufe Gefahr, zumindest indirekt in der Kontinuität der Wehrmachts-Tapferkeit verstanden zu werden, sind somit zunächst nicht von der Hand zu weisen.
In meinen Augen stimmen sie aber nur auf den ersten Blick. Das neue Ehrenkreuz steht gerade nicht in der unseligen Tradition des Eisernen Kreuzes, das seit Ende des Zweiten Weltkriegs aus gutem Grund nie wieder verliehen wurde. Selbst der Zentralrat der Juden in Deutschland, der sich gegen den neuen Orden ausgesprochen hat, stellt der Truppe ein gutes Zeugnis aus. Die Bundeswehr sei eine demokratische Parlamentsarmee, die in keiner traditionellen Verbindung zur Wehrmacht stehe, grundsätzlich gebe es keine Einwände gegen eine spezielle Auszeichnung für besondere Tapferkeit bei Soldaten. Ein stichhaltiges Argument, finde ich.
Die Tapferkeitsmedaille ist genau wie das Ehrenmal für gefallene Soldaten ein vernünftiges Symbol und auch ein überfälliges Signal für die Realitäten einer Parlamentsarmee im Einsatz - der immer häufiger ein Kampfeinsatz ist. Sie ist Ausdruck einer neuen Normalität, in der auch deutsche Soldaten längst nicht mehr nur üben, sondern auch kämpfen müssen, dabei Leib und Leben aufs Spiel setzen und auch sterben. 260.000 deutsche Soldaten gingen in den vergangenen 15 Jahren in den Auslandseinsatz. Im Auftrag der Politik sollen sie Sicherheit und Freiheit schützen, der deutschen Verantwortung auch international gerecht werden.
Für den Bundeswehrverband ist der Orden ein Zeichen der Wertschätzung, ein Dankeschön des Staates für besondere Leistungen. Kein tumber militärischer Heldenkult soll geschaffen, sondern beispielhafte soldatische Pflichterfüllung geehrt werden. Eine Pflichterfüllung im Auftrag des Parlaments, dem verlängerten Arm der Bevölkerung. Solange Auslandseinsätze wie in Afghanistan politisch gewollt sind, ist es nur konsequent und folgerichtig, diejenigen zu ehren, die sich dabei besonders hervortun. Da die Truppe im vergangenen halben Jahrhundert allen Militarismus-Vorwürfen glaubhaft entwachsen ist, sie längst eine Armee der Bürger in Uniform ist, ist das Ehrenkreuz überfällig.
Vielleicht kann es langfristig auch zu einem entkrampfteren Verhältnis der Bevölkerung zu ihrer Armee und deren Einsätzen beitragen, wünschenswert wäre es. Doch dazu muss die Politik, vorne weg die Regierung, mehr tun, als Soldaten Orden ans Revers zu heften. Sie muss endlich den Mut haben, die Realitäten deutscher Auslandseinsätze auch offen und ehrlich auszusprechen. Die monatelange Debatte über Begrifflichkeiten wie Kampfeinsatz und Krieg sind da nur semantische Scheingefechte. Viel wichtiger wäre es, Belastungen, Gefährdungen aber auch Leistungen der Bundeswehr öffentlich stärker zu thematisieren und den Sinn der Einsätze zu vermitteln.
Kontakt zum Autor: internet@ard-hauptstadtstudio.de
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