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Seit die Palästinenser-Regierung vor den UN um die Anerkennung ihres Staates kämpft, hat der US-Kongress Mittel für die Hilfsorganisation USAid gestrichen. Leidtragende sind unter anderem hunderttausende Kinder. Sie müssen nun auf Karim und Hanin verzichten, die Stars der palästinensischen Sesamstraße.
Von Torsten Teichmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
[Bildunterschrift: Die Puppe Karim, hier mit ihrem Schauspieler Rajai Sandouka, ist einer der Stars der palästinensischen Sesamstraße. ]
Die Puppen Karim und Hanin sind echte Muppets. Sie sind Stars der palästinensischen Fernsehsendung Shara’a SimSim, also der Sesamstraße. Layla Sayegh ist die Programmdirektorin in Ramallah - derzeit allerdings ohne Programm. Die Hilfsorganisation USAid hat die Unterstützung für die palästinensische Sesamstraße gestrichen. "Nein, niemand hat es uns erklärt, weder in einem Brief noch mündlich. Niemand erwähnte, warum wir nicht weitermachen können", sagt Sayegh.
So wie der Sesamstraße geht es derzeit einer ganzen Reihe von US-Hilfsprojekten im Westjordanland, Ost-Jerusalem und Gaza. Sie liegen auf Eis. Andere können die Arbeit gerade noch beenden. Als die Palästinenser vergangenen September bei den Vereinten Nationen um Aufnahme baten, strich der US-Kongress Millionen für USAid. Die republikanische Abgeordnete Ileana Ros-Lethinen verteidigt ihre Position im US-Fernsehsender CNN: "Die US-Unterstützung für die Palästinenser sollte in jeder Form gestrichen werden. Schauen sie sich die provokativen Aktionen der Palästinenser vor den Vereinten Nationen an. Und das ist nur ein Hinweis darauf, wie sie Israel täglich provozieren."
"Die Kinder haben damit nichts zu tun"
[Bildunterschrift: Abschied von der Sesamstraße: Produzent Daoud Kuttab musste die Muppets nach Hause schicken. ]
Da hilft auch kein Zählen: 40 Millionen US-Dollar hat USAid noch bekommen. 147 Millionen hält der Kongress zurück. Das Budget für 2012 ist völlig unklar. Es ist das vorläufige Aus für die geplante sechste Staffel der Sesamstraße in Ramallah. Die Puppen Hanin und Karim sind zur Jim Henson Company nach New York zurückgeflogen - über den Flughafen Amman in Jordanien, wie echte Palästinenser, erzählt Sayger: "Wenn es um das Recht der Palästinenser geht, dann unterstütze ich die Politiker der Autonomiebehörde. Aber was passiert ist schade, denn die Kinder haben damit nichts zu tun. Die haben ein Recht zu spielen und gutes Fernsehen zu sehen."
Eine Entscheidung könnte an diesem Wochenende fallen: Der palästinensische Präsident Machmud Abbas will mit der arabischen Liga beraten, ob er seine diplomatischen Initiativen für eine staatliche Anerkennung der Palästinenser wieder aufnimmt. Der Grund: Die Sondierungsgespräche mit der israelischen Regierung stecken schon wieder fest. Angst vor weiteren finanziellen Konsequenzen habe die Führung keine, sagt Ghassan Khatib vom palästinensischen Informationsministerium: "Wir denken: Egal welche wirtschaftlichen Sanktionen gegen uns verhängt werden, das wird uns nicht davon abbringen, unsere Ziele zu erreichen: Freiheit und Unabhängigkeit."
Das liegt vielleicht auch daran, dass die USA wohl kaum drohen, ihre Unterstützung im Bereich der palästinensischen Sicherheitsdienste und der Autonomiebehörde einzustellen. Die Transfersumme übersteigt die humanitäre Hilfe der USA um ein Vielfaches, was Hilfsorganisationen in der Regel frustriert.
Ein Mitarbeiter von USAid sagte einmal, es sei nicht an ihnen zu entscheiden, ob die Palästinenser zu den Vereinten Nationen gehen oder nicht, oder wie der US-Kongress darauf reagieren sollte. Man wolle lediglich die Arbeit mit den palästinensischen Partnern fortsetzen, um das Leben der Menschen zu verbessern. Da kann es schon helfen, wenn sich in der Sesamstraße Ernie und Bert eine Banane ans Ohr halten und telefonieren.
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