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Vietnam-Krieg, Berlin- und Kuba-Krise: zahlreiche "Höhepunkte" des Kalten Krieges fielen in die Zeit, in der Robert McNamara US-Verteidigungsminister war. Im Alter von 93 Jahren ist der Politiker jetzt gestorben. Der Albtraum Vietnam verfolgte ihn bis zuletzt.
Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkkorrespondent Washington
[Bildunterschrift: McNamara während einer Pressekonferenz im Pentagon 1965. Er galt als der "Architekt" des Vietnamkrieges. ]
Für die Demonstranten gegen den Vietnamkrieg in Europa und den USA war Robert McNamara das Feindbild Nummer Eins. Der Albtraum Vietnam hat den ehemaligen Verteidigungsminister der USA bis zum Ende seines Lebens nicht losgelassen. McNamara ist nie damit fertig geworden, dass er derjenige war, der die verheerenden Angriffe mit Napalm-Bomben auf Vietnam befahl - obwohl er da eigentlich längst der Ansicht war, die Amerikaner müssten raus aus Vietnam.
Aber er habe nicht den Mut gehabt, der Napalm-Anordnung des damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson zu widersprechen und zurückzutreten, sagte er später. Er gab zu, dass die Vietnam-Invasion der Amerikaner den Westen auf keinen Fall sicherer gemacht habe. Die so genannte "nordvietnamesische Gefahr" sei in den Zeiten des Kalten Krieges völlig überbewertet worden.
In seinem Buch "Das Trauma einer Weltmacht" bezeichnete McNamara den Vietnamkrieg der Amerikaner als "furchtbaren Irrtum". Allerdings, so betonte er immer wieder, dürfe man nicht das verheerende politische Klima des Kalten Krieges und der amerikanischen Angst vor der Sowjetunion und China vergessen, was zu der Fehlentscheidung Vietnamkrieg geführt habe. Allein während seiner siebenjährigen Amtszeit als Verteidigungsminister der USA habe man drei Mal am Rand einer militärischen Konfrontation mit Moskau gestanden.
[Bildunterschrift: Später bezeichnete McNamara (hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2004) den Vietnamkrieg als "furchtbaren Irrtum". ]
In der Tat war McNamaras politisches Leben an Dramatik kaum zu überbieten: ob Berlin- oder Kuba-Krise, zahlreiche "Höhepunkte" des Kalten Krieges fielen in seine Amtszeit. Von John F. Kennedy ins Amt des Verteidigungsministers berufen, unterstützte er die fehlgeschlagene US-Invasion in der Schweinebucht - und erlebte, wie in buchstäblicher letzte Sekunde ein Atomkrieg wegen der russischen Raketen auf Kuba verhindert werden konnte. "Es war Glück, es war nichts als der reine Zufall", schrieb Mc Namara später.
Nach seiner Zeit als US-Verteidigungsminister stand er 13 Jahre lang an der Spitze der Weltbank. Den Irakkrieg von George W. Bush kritisierte er vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen als moralisch, politisch und wirtschaftlich falsch.
Bevor er in die Politik ging, war McNamara der erste Präsident des Autokonzerns Ford, der nicht der Gründerfamilie entstammte. Dort hatte er bereits Jahre zuvor die revolutionäre Entwicklung des Sicherheitsgurtes vorangetrieben. "Wäre ich doch bloß nicht Kennedys Ruf in die Politik gefolgt und damit verantwortlich geworden für unzählige Tote in Vietnam" bekannte McNamara später.
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