zum Inhalt
zur Hauptnavigation
Weitere Inhalte
Hinweis: Sie können diesen Hinweis sehen, da Sie entweder die Darstellung von CSS-Dateien in Ihrem Browser unterbunden haben, Ihr Browser nicht XHTML-standardkonform ist oder ihr Browsercache die Stylesheet-Angaben in den CSS-Dateien 'verschluckt' hat. Lesen Sie mehr zu diesem Thema und weitere Informationen zum neuen tagesschau.de-Design
Die US-Luftwaffe feiert heute den 60. Jubiläum der Berliner Luftbrücke. Es gibt nur noch wenige Piloten, die von den Ereignissen zwischen Juni 1948 und Mai 1949 berichten können, als die Stadt wegen einer Blockade der Roten Armee aus der Luft versorgt wurde.
Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkkorrespondentin Washington
Auf der Andrews Airforce Base bei Washington wird heute das 60. Jubiläum der Berliner Luftbrücke gefeiert. Gäste aus Deutschland und den USA werden dabei sein. Einer von ihnen ist der 84-jährige Earl Moore. Er war damals Pilot, heute ist er der Vorsitzende der Luftbrücken-Veteranen in den USA. Und Earl Moore freut sich, wenn er heute die Rosinenbomber noch mal in die Luft steigen sieht. Denn dann werden die Erinnerungen an damals wieder wach.
[Bildunterschrift: Ein US-Pilot im Jahr 1948 bereitet in seinem C-54 Transportflugzeug auf dem Flugfeld der Rhein-Main Air Base in Frankfurt am Main eine Ladung Süßigkeiten zum Abwurf vor. ]Das einzige, was Earl Moore sah, als er vor 60 Jahren das erste Mal Berlin-Tempelhof anflog, war Nebel. Das Wetter im Winter 1948 war schrecklich, erinnert sich der US-Pilot. Von einem solchen Nebel hatte er noch nie gehört, geschweige denn ihn gesehen. Der damals 24-Jährige musste sich auf seine Instrumente verlassen, um sicher in Tempelhof zu landen. Erst im Frühjahr wurde das Wetter besser.
Und erst da sah Moore, wie unglaublich nah er nun schon seit Wochen an den Wohnhäusern rund um Tempelhof vorbeigeflogen ist: "Die Gebäude stießen fast an die Tragflächen. Ich wollte die Maschine schon hochziehen. Ich wusste ja, die Häuser sind da, aber wenn du sie siehst - das ist ein Schock."
Auch das, was sich dann vor seinen Augen auftat, war erschreckend. Das Berlin von damals - eine Trümmerlandschaft. "Wände, Schornsteine, Treppen, die ins Nichts führen. Wo die Menschen gelebt haben, keine Ahnung", sagt Moore.
Dabei lebten in den Ruinen fast 2,5 Millionen Berliner. Seit dem 23. Juni 1948 abgeschnitten von der Außenwelt. Die Russen hatten die Einführung der D-Mark in den Westsektoren der Stadt zum Anlass genommen, Berlin zu blockieren. "Dann versorgen wir die Stadt eben aus der Luft", entschieden die West-Alliierten. Die Kraftprobe zwischen Ost und West begann. Alles, aber auch wirklich alles musste eingeflogen werden: getrocknete Kartoffeln, Mehl, Kohle, Benzin, Medikamente, und, und, und. Earl Moore aus Texas ist zunächst wenig begeistert davon, Deutsche zu retten - immerhin sind das die ehemaligen Feinde.
Aber wie Feinde sehen die Berliner gar nicht aus, stellte Moore fest: "Alte Männer, Frauen mit dunklen Augenringen, magere Kinder - kurz vorm Verhungern." Mein Gott, diese armen Menschen, dachte sich der damals 24-Jährige: "Selbst die hübschesten Berlinerinnen hatten fürchterliche Haare. Und sie hatten Haare unter ihren Armen, die Du beim Winken gesehen hast."
Aber auch Moore wusste um die schwierige Lage der Menschen. Wer flog schon Seife ein, wenn Du was zum Essen brauchtest? Zwei bis dreimal täglich flog Moore von Wiesbaden nach Berlin und brachte Lebensmittel und Brennstoff in die abgeriegelte Stadt. Insgesamt nahmen 1500 US-Piloten an der Luftbrücke teil. Tag und Nacht. Als die Russen fast ein Jahr nach Beginn der Berlin-Blockade klein beigaben, hatten die West-Alliierten mehr als 2,4 Millionen Tonnen Fracht über den Luftweg in die Stadt gebracht.
Und, so Moore, die Piloten hatten noch etwas anderes dabei, etwas, das man nicht in Tonnen wiegen kann: Hoffnung. "Ihr habt uns Hoffnung gegeben", sagten die Berliner den Soldaten: "Wenn Du keine Hoffnung hast, warum sollst Du dann weitermachen?"