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20.05.2012

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Fußball-Randale in Ägypten: 74 Tote bei Krawallen im Stadion
Nach tödlicher Fußball-Randale in Ägypten

Gezielte Aktion bezahlter Schläger?

Nach den tödlichen Krawallen nach dem Fußballspiel im ägyptischen Port Said wächst die Kritik an der Polizei. Fans und Spieler des Clubs Al Ahly werfen ihr vor, nicht eingegriffen zu haben. Zudem wird spekuliert, dass die Gewalt die gezielte Aktion bezahlter Schläger war. Der Militärrat schweigt dazu.

Von Cornelia Wegerhoff, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Die Reaktion der Kairoer Fußballfans war eindeutig: "Nieder mit der Militärherrschaft, wir sind das Volk!" rief die aufgebrachte Menge immer wieder, die sich mitten in der Nacht auf dem Kairoer Hauptbahnhof versammelt hatte. In den frühen Morgenstunden empfingen die Menschen dort die vom Fußballdrama aus Port Said heimkehrenden Fans des Clubs Al Ahly. Weinend lagen sich viele Männer in den Armen.

Zeitgleich kamen in Kairo die Rettungswagen mit den Leichen und den Verletzten an: Mindestens 74 Todesopfer sind bislang  zu beklagen, über 1000 Menschen wurden verletzt. Etwa 170 von ihnen sollen noch in Lebensgefahr schweben. Die trauernden Kairoer Fans erheben schwere Vorwürfe gegen die ägyptischen Sicherheitsbehörden: "Alle Türen im Stadion waren verschlossen", berichtet ein Mann. "Wir waren wie gefangen. Die Angreifer haben zu Dutzenden auf einzelne Menschen eingeschlagen. Und die Polizei hat einfach nur zugeguckt."

"Die Angreifer haben sich sogar die T-Shirts der Toten geschnappt und  damit Freudentänze veranstaltet", so ein anderer Augenzeuge verbittert.

Ausschreitungen in Port Said (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Spieler mussten vor der Gewalt fliehen.]
Ausschreitungen in Port Said (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Direkt nach den Spiel wurde das Feld gestürmt.]
 

Scharfe Kritik am Verhalten der Polizei

Auch die  Mannschaft des ägyptischen Rekordmeisters Al Ahly übt scharfe Kritik am Verhalten der Polizei in Port Said. Vor ihren Augen seien die Menschen gestorben, klagen die Spieler, die sich selbst nur mit Mühe vor Angriffen mit Feuerwerkskörpern in Sicherheit bringen konnten.

Es seien 3000 Polizisten im Stadion gewesen, so Ahlys portugiesischer Trainer Manuel José. Doch keiner von ihnen hätte eingegriffen. Wie ihre Anhänger spekulierten auch die Funktionäre des Sportklubs, dass es sich bei den Ausschreitungen gegen das Team von Al Masry aus Port Said nicht um den eskalierten Streit von verfeindeten Fußballfans handelt, sondern dass hier Politik und übelste Absicht im Spiel gewesen sei.

Audio: Nach Krawallen: Scharfe Kritik an Sicherheitskräften

AudioCornelia Wegerhoff, ARD-Hörfunkstudio Kairo 02.02.2012 09:36 | 3'23
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Chaos und Unruhe im Sinne des Militärrats?

Auch in den abendlichen ägyptischen Talkshow-Sendungen überschlugen sich Anrufer mit dem Vorwurf, es habe sich um eine gezielte Aktion gehandelt: Wie schon bei so vielen Gewaltattacken seit der ägyptischen Revolution seien bezahlte Schläger in Port Said am Werk gewesen. Wie einst dem Mubarak-Regime sei es auch dem Obersten Ägyptischen Militärrat nur allzu recht, wenn Chaos und Unruhe das Land bestimmten, meinten die meisten Interviewten übereinstimmend.

So könne das Militär weiter mit Härte gegen den Widerstand aus der Bevölkerung vorgehen, zu dem auch der politisch aktive Flügel der Ahly-Fans gehört. Denn immer wieder setzen sich die sogenannten Ultras an die Spitze von Demonstrationen. Exakt heute vor einem Jahr, das kann kein Zufall sein, meinten viele, kämpften die Ahly-Fans in vorderster Reihe gegen angreifende  Reiter, die den Kairoer Tahrir-Platzes mit Kamelen und Pferden zu stürmen versuchten.

"Wer die Instabilität Ägyptens will, wird bestraft werden"

Tantawi kündigt im Staatsfernsehen das Ende des Ausnahmezustands an (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Tantawi nahm in seiner Rede keine Stellung zu den Vorwürfen. ]
Der Chef des Obersten Ägyptischen Militärrates, Feldmarschall Hussein Tantawi, ging bislang auf die vielen Unterstellungen mit keinem Wort ein. Er ordnete eine dreitägige Staatstrauer an und teilte mit: "Wir drücken unser tiefstes Bedauern über die Ereignisse in Port Said aus. Mein Beileid den Familien der Märtyrer und Verletzten. Ich habe eine sofortige Untersuchung angeordnet. Wir werden die Verantwortlichen nicht entkommen lassen. Wer die Instabilität Ägyptens will, wird bestraft werden."                                               

Gleichzeitig mahnte der Militärchef zu Zuversicht: "Ägypten lebt weiter. Wir gehen in die Richtung, wie wir geplant haben, das wird unser Land nicht unterkriegen."

Etwa verdächtige 40 Personen sollen bisher in Port Said festgenommen worden sein. Das Militär schickte zusätzliche Soldaten in die Hafenstadt. Das ägyptische Parlament hat für heute eine Sondersitzung anberaumt.

Stand: 02.02.2012 10:00 Uhr
 

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