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11.03.2010

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Ausland
Unruhen in Xinjiang
China: Angst vor neuer Eskalation nach Uiguren-Protesten
Mehr als 150 Tote nach Uiguren-Protesten

Angst vor weiterer Eskalation in China

Nach den schweren Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Uiguren, Han-Chinesen und Sicherheitskräften in Urumqi herrscht nach Angaben von ARD-Korrespondent Jochen Graebert gespannte Ruhe in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang. Die Polizei hat ein Großaufgebot in der Stadt zusammengezogen. An einigen Straßen wurden Kontrollposten eingerichtet. Im Internet gibt es immer wieder Aufrufe zu neuen Demonstrationen. Allerdings sind sowohl die Internet- als auch die Telefonleitungen in der Region gestört.

Mindestens 150 Menschen kamen bei den Ausschreitungen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua ums Leben. Mehr als 800 Menschen seien verletzt worden. Hunderte Menschen wurden festgenommen, darunter laut Xinhua zehn "Rädelsführer" der Unruhen. Etwa 90 Unruhestifter würden noch gesucht. Hunderte Autos und Geschäfte wurden bei den Unruhen zerstört.

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Mit Messern und Knüppeln gegen Han-Chinesen

Augenzeugen sagten, uigurische Demonstranten seien mit Messern, Holzknüppeln und Steinen bewaffnet durch die Provinzhauptstadt gezogen. "Sie fragten mich, welcher ethnischen Gruppe ich angehöre. Als sie hörten, ich sei Han-Chinese, schlugen sie zu", zitierte Xinhua einen Verletzten. Die Polizei soll Schüsse abgegeben und Schlagstöcke eingesetzt haben, um Menschen vom Platz des Volkes in der Stadt zu vertreiben. Insgesamt sollen sich rund 3000 Menschen an den Protesten beteiligt haben.

Proteste nach dem Tod zweier uigurischer Arbeiter

Auslöser der Proteste war der Tod von mindestens zwei uigurischen Fabrikarbeitern Ende Juni. Die Arbeiter waren Medienberichten zufolge von chinesischen Kollegen nach Vergewaltigungs-Vorwürfen angegriffen und mit Eisenstangen zu Tode geprügelt worden. Auf der laut Augenzeugenberichten zunächst friedlich verlaufenden Kundgebung forderten uigurische Demonstranten die Untersuchung der Todesumstände der Arbeiter. "Der Zwischenfall hätte verhindert werden können, wenn die chinesischen Behörden die Morde richtig untersucht hätten", sagte die Präsidentin des Uigurischen Weltkongresses, Rebiya Kadeer.

Demonstrationen in Xinjiang (Bild von derAgentur Xinhua) (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die staatliche Agentur Xinhua veröffentlichte dieses Bild eines zerstörten Geschäfts in Urumqi.]
Schwere Ausschreitungen im Westen Chinas (Aufnahme des staatlichen chinesischen Fernsehens) (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Ausschreitungen gelten als die schwersten seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking.]
 

"Von außen gesteuert"

Die Provinzregierung machte uigurische Separatisten für die Konfrontationen verantwortlich. Die organisierte Gewalt sei von außen gesteuert worden, hieß es. In Xinjiang gibt es eine Unabhängigkeitsbewegung unter den etwa acht Millionen dort lebenden muslimischen Uiguren. Die Uiguren sehen sich durch die Chinesen unterdrückt.

Hintergrund:

Die Uiguren sind ein muslimisches Volk mit etwa zehn Millionen Menschen. Mehr als acht Millionen Angehörige der Volksgruppe leben in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas.

Seit sich Peking Xinjiang 1955 als "Autonome Region" einverleibte und dort Han-Chinesen ansiedelte, kämpfen Uiguren im ehemaligen Ost-Turkestan für ihre Rechte. Peking hat vier Uiguren-Gruppen zu terroristischen Vereinigungen erklärt.

Menschenrechtsgruppen werfen Peking vor, die Uiguren mithilfe von Folter, Massenverhaftungen und Todesurteilen zu unterdrücken.

Xinjiang grenzt unter anderem an Pakistan und Afghanistan und ist für Peking von großer strategischer Bedeutung. Die Region ist reich an Bodenschätzen wie Kohle, Gold und Uran. Große Erdöl- und Erdgasvorkommen werden dort vermutet. Xinjiang ist fast fünf Mal so groß wie Deutschland. 19,6 Millionen Menschen leben dort.
 
Stand: 06.07.2009 20:52 Uhr
 

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