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06.07.2008
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Ausland Merkel besucht Brasilien

Wird der Regenwald für Ethanol geopfert?

Brasilien heißt die erste Station von Bundeskanzlerin Merkel auf ihrer Lateinamerika-Reise. Dort traf sie sich mit Brasiliens Präsident Lula. Bei dem Treffen hat die Kanzlerin auch eine umweltschonende Ethanolproduktion anmahnt.

Von Gottfried Stein, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Merkel und Lula in Heiligendamm (08.06.2007). (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Trafen sich schon vor einem Jahr in Heiligendamm: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brasiliens Präsident Lula. ]
Staatsgäste pflegt Brasilien mit Paukenschlägen und Kanonenschüssen zu empfangen. Und natürlich wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel von Präsident Lula da Silva vor dem Palacio Planalto, seiner Residenz in Brasilia, mit allen militärischen Ehren begrüßt. Es ist der erste offizielle Staatsbesuch der Kanzlerin in Lateinamerika. Und er kommt zur rechten Zeit. Das meint zumindest Wolf-Dieter Acker, Vorsitzender der deutsch-brasilianischen Industrie- und Handelskammer: "Brasilien rückt etwas mehr in den Mittelpunkt, dadurch dass es sehr viele Potentiale hat - nicht nur im Landwirtschaftsbereich, sondern auch mit einer wachsenden Industrie. Insofern wird dieser Besuch nicht nur die bilateralen politischen Beziehungen, sondern auch die Wirtschaftsbeziehungen stärken."

Ethanol ist Brasiliens Exportschlager

Zuckerrrohrernte für Ethanolproduktion (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Zuckerrohr wird für die Ethanolproduktion geerntet. ]
Zweimal trifft sich die konservative Kanzlerin mit Lula. Der ehemalige Arbeiterführer ist der erste Sozialist an der Spitze Brasiliens. Mit einer stockkonservativen Haushalts- und Sparpolitik hat der seit 2003 regierende Lula den Staat saniert. Prognosen sagen, dass die zehntgrößte Industrienation der Welt bis 2030 auf Platz fünf klettern kann. Mit dazu beitragen soll unter anderem Brasiliens neuer Exportschlager Ethanol, bei dem Lula regelrecht ins Schwärmen gerät: "Ab heute treten wir in eine neue Epoche der Automobilindustrie ein, eine neue Epoche der Treibstoffe in der Welt. Und ich würde sogar sagen: in eine neue Epoche der Menschheit."

Sorgen um den Regenwald

Ein im letzten Jahr mit den USA abgeschlossenes Exportabkommen machte Brasilien zum Weltmarktführer auf dem Sektor Biotreibstoff. Auch Deutschland will davon profitieren und den aus Zuckerrohr gewonnenen Alternativsprit in großen Mengen einführen. Merkel und Lula wollen deshalb ein bilaterales Energieabkommen unterzeichen, das die nachhaltige Herstellung und Verwendung von Biokraftstoffen fördert. Hintergrund sind Bedenken, dass für die Ethanolproduktion Regenwald abgeholzt werden könnte. Aus brasilianischer Sicht ist das Unsinn. Laut Lula würden nur drei Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Brasiliens für Zuckerrohranbau verwendet.

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Wirtschaftbeziehungen sollen verbessert werden

Außerdem geht es um die weitere Verbesserung der beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen, die laut dem Handelskammervorsitzenden Acker ohnehin bestens seien: "Es gibt in Brasilien 1200 deutsche Firmen, die hier tätig sind. Sie repräsentieren etwa acht Prozent des industriellen Bruttoinlandproduktes. Deswegen gibt es kaum eine außereuropäische Region, in der die deutsche Industrie so gut aufgestellt ist wie in Brasilien. Stärken sind vor allem die Automobilindustrie, die Chemie, Elektronik und zusätzlich die Autozulieferindustrie."

Merkel reist weiter nach Sao Paulo

Viele deutsche Firmen engagieren sich in Sao Paulo – einem Moloch mit 20 Millionen Einwohnern, die drittgrößte Stadt der Welt. Hier haben sich etwa 1000 Firmen deutschen Ursprungs niedergelassen, die rund eine viertel Million Industriearbeiter beschäftigen. Damit kann das urbane Monstrum guten Gewissens für sich beanspruchen, die größte deutsche Industriestadt außerhalb Deutschlands zu sein. Im VW-Werk in Sao Paulo wird die Kanzlerin am Donnerstag ein neues Designzentrum einweihen. Vermutlich wird sie mit Lula auch einige vertrauliche Worte über Venezuelas Präsident Hugo Chavez und dessen jüngste Nazitiraden wechseln. Lula, Präsident des größten Landes Lateinamerikas, hat schon mehrfach mäßigend und ausgleichend auf seinen provokanten Nachbarn eingewirkt.

Stand: 14.05.2008 11:58 Uhr
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